Von der Handspindel zur Industriellen Revolution
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„Was hat die Herstellung von Kleidung mit der Industriellen Revolution zu tun und wie trug sie zur Entstehung der Arbeiterklasse bei?“ fragt Iris Krane. Die Antwort gibt die Dozentin der Volkshochschule Marburg in Ihrem Vortrag am Freitag, 6. März von 18.00 bis 20.00 Uhr in der Kulturscheune in Bruchhausen-Vilsen.
Die Marburgerin hält es für durchaus lohnenswert, einen genaueren Blick auf die bewegte Vergangenheit unserer „zweiten Haut” zu werfen. Denn auch in Bruchhausen-Vilsen erinnert der Brunnen mit der Figur "Die Wringerin" - im Volksmund wird sie liebevoll "Dicke Herta" genannt – an das blühende Handwerk der Leinenverarbeitung im vorigen Jahrhundert.
„Die Herstellung unserer Kleidung ist eine der ältesten Kulturtechniken der Menschheit“, erzählt Krane. „Schon in der frühen Bronzezeit hat man gesponnen und feine Stoffe gewebt. ‚Texere‘, das lateinische Verb für weben oder flechten, schenkte uns Wörter wie Textur, Textilien und ja, auch den Begriff Text - etwas mit Worten Gewebtes.“
In ihrem Vortrag erläutert sie, wie Menschen in Europa über Jahrhunderte hinweg Kleidungsstoffe produzierten — von der Faser bis zum fertigen Tuch. Wie lebten diese Menschen? Wie arbeiteten sie? Und vor allem: Was trugen sie? Wolle, Seide und edle Tuche waren im Mittelalter wichtige Wirtschaftsfaktoren, sie haben den Handel angetrieben, die Politik beeinflusst und Länder wie England reich gemacht.
Krane erwähnt aber auch die dunklen Seiten der Textilherstellung, die Kolonialisierung, den Sklavenhandel, ebenso die Kinderarbeit in den Fabriken, die noch bis ins letzte Jahrhundert legal war.
„Die Textilherstellung ist nicht nur ästhetisch, kreativ und farbenfroh”, sagt Krane. „Sie ist auch von technischem und sozialem Interesse.” Ab dem 17. Jahrhundert brachten englische Schiffe große Mengen von Rohbaumwolle aus Indien und den amerikanischen Kolonien in die Häfen von Liverpool, Bristol und Glasgow. Neue Verarbeitungstechnologien wurden notwendig, ebenso Fabriken und schnelle Transportwege. „Die englischen ‚Spinning Mills’ waren Motor der Industriellen Revolution” so Krane. „Sie führten zur Entstehung einer völlig neuen Gesellschaftsschicht: der Arbeiterklasse.”
Wer neugierig geworden ist, ist am 6. März von 18.00 bis 20.00 Uhr in der Scheune Bruchhausen-Vilsen in der Brautstraße 16 herzlich willkommen. Der Vortrag wird in Kooperation zwischen der VHS im Landkreis Diepholz, dem Mehr-Generationen-Hauses Stuhr-Brinkum und dem Kunst- und Kultur Verein e.V. Bruchhausen-Vilsen durchgeführt. Der Eintritt beträgt 5 €, Anmeldung und nähere Informationen bitte bei der VHS unter 04242 – 976 44 44 oder unter vhs@vhs-diepholz.de.
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